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Die Vier-Tage-Woche: Bislang keine Lösung für Burnouts


By Anja Pertzsch, HR Manager DACH bei Alight Solutions
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Seit Jahren spielt für Unternehmen das Thema Burnout eine immer größere Rolle. Sie müssen dem verstärkt entgegenwirken. Dafür werden neue Arbeitsformen entwickelt: flexible Arbeitszeiten, zusätzliche freie Tage oder zusätzliche Angebote wie Achtsamkeitsprogramme. Immer mehr Länder und vereinzelt auch Unternehmen in Deutschland stellen auf eine Vier-Tage-Woche um. Während Island oder die Niederlande das Konzept einer viertägigen Arbeitswoche bereits seit mehreren Jahren praktizieren, hat im Februar nun auch der belgische Gesetzgeber eine Vier-Tage-Woche ohne Gehaltseinbußen ermöglicht. Aber ist die Vier-Tage-Woche denn tatsächlich neu? Und funktioniert sie wirklich?

Vollzeitbeschäftigung nicht mehr erwünscht

Menschen empfinden Stress, weil sie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vor relevante Herausforderungen stellt. Vor allem die Generationen X und Y haben ein starkes Bedürfnis nach Freizeit und Erholung. Eine Vollzeitbeschäftigung ist für diese Generationen oft nicht attraktiv. Sie wollen neben der Arbeit auch genügend Zeit haben, um sich zum Beispiel dem Sport und ihren Hobbys zu widmen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Yougov, würden fast 63 Prozent der Deutschen das Konzept der Vier-Tage-Woche bei vollständigem Lohnausgleich begrüßen, während sich 14 Prozent auch ohne einen Ausgleich für eine verkürzte Arbeitswoche aussprechen.

Ein Blick zu den Nachbarn: In den Niederlanden ist es nichts Neues, nur vier Tage in der Woche zu arbeiten. Mit 4,5 Millionen Teilzeitbeschäftigten (circa 48 Prozent der Erwerbstätigen) gehören die Niederlande bereits zu den Spitzenreitern bei der Vier-Tage-Woche. Im Vergleich zu Island ist in den Niederlanden jedoch kein signifikant niedrigeres Vorkommen an psychischen Belastungsstörungen, auch als Burnout bekannt, zu verzeichnen, weshalb bei den Beschäftigten des Landes nach wie vor ein erhöhtes Bedürfnis nach mehr Freizeit besteht.

Gleich viel Arbeit in weniger Tagen

Weniger Arbeitstage bedeuten in den allermeisten Ländern nach wie vor weniger Gehalt. Für viele Arbeitnehmende werden Gehaltseinbußen aber angesichts der derzeitigen Inflation und den steigenden Lebenshaltungskosten nicht tragbar sein. Außerdem werden aus fünf Arbeitstagen oft nur vier, wenn beschlossen wird, weniger zu arbeiten. Das funktioniert natürlich nicht so einfach. In einer kürzeren Arbeitswoche muss trotzdem die gleiche Menge an Arbeit erledigt werden. Denn unsere Wirtschaft ist auf eine 24-Stunden Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen ausgelegt. Ob im Unternehmen oder als Privatperson; Kunden erwarten, dass Verantwortliche an fünf Tagen in der Woche verfügbar sind. 

Das führt dazu, dass sich Arbeitnehmer stark beanspruchen und deshalb mehr Zeit brauchen, um sich von der Arbeitswoche zu erholen. Infolgedessen fallen auch die Gespräche mit den Kollegen weg, welche zu einer besseren psychischen Gesundheit und einem guten Arbeitsklima beitragen.
 

Höheres Belastungsempfinden

Unsere Gesellschaft ist demnach noch nicht für eine kollektive viertägige Arbeitswoche bereit. Die Arbeitsbelastung ist in vielen Unternehmen noch zu hoch, um einen Tag in der Woche aufzugeben. Dann würde das nicht etwa zu weniger Stress führen, sondern möglicherweise sogar zu mehr. Bevor die Arbeitszeiten entsprechend angepasst werden können, gilt es somit zunächst eine Lösung für die Vereinbarkeit von verkürzten Arbeitszeiten und dem Anspruch auf ununterbrochene Verfügbarkeit zu finden. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Gesellschaft in der Zukunft nie für eine Vier-Tage-Woche bereit sein wird. Die Geschichte beweist, dass dieses Konzept durchaus möglich ist: Die Fünf-Tage-Woche wurde in Westdeutschland erst ab Ende der 1950er-Jahre für bestimmte Branchen eingeführt. Davor arbeiteten die Menschen mindestens 48 Stunden pro Woche. Die Samstage galten damals noch nicht als weitgehend arbeitsfrei. Es sollte also durchaus möglich sein, zu einer Vier-Tage-Woche überzugehen. Fraglich ist nur, wann auch unsere gesellschaftlichen Verhältnisse bereit dafür sind.

Achtsamkeit für das Wohlbefinden der MitarbeiterInnen

Bis es soweit ist, müssen weiterhin andere Methoden zur Bekämpfung von Stress angewendet werden. Weniger Arbeit wirkt sich nur dann wirklich positiv auf das Wohlbefinden der Beschäftigten aus, wenn sie nicht auf Kosten des Gehalts geht. Dies erfordert viel Flexibilität. Auch unsere finanziellen Bedürfnisse sind Bestandteil unserer Work-Life-Balance.

Was für ein geringeres Belastungsempfinden wirklich hilft, wird sich von Mensch zu Mensch stark unterscheiden. Müssen Fahrzeiten bewältigt werden oder ist es möglich, öfter von zu Hause aus zu arbeiten? Wieviel Zeit wird für Ehrenamt und Sozialleben benötigt? Wie steht es um die Betreuung von Angehörigen und elterliche Verantwortung?

Es gibt also nicht nur eine einzige Lösung. Ein aktives Monitoring des Wohlbefindens im Unternehmen, auch bekannt als Employee Wellbeing Awareness (EWA), ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Indem sich Unternehmen bewusst mit ihren Mitarbeitenden auseinandersetzen und proaktive sowie aufklärende Gespräche mit ihnen führen, kann Aufschluss über die bestehende Belastung erlangt werden. Unternehmen sollten wissen, ob die Beschäftigten Druck verspüren, was sie stört oder was sie glücklich macht.

Dabei kann ein geeigneter Gesprächsleitfaden helfen, Risiken für die seelische Gesundheit zu erkennen und diese zu reduzieren. Der Gesprächsverlauf sowie die wichtigsten Fragen sollten strukturiert ausgearbeitet und den MitarbeiterInnen im Vorfeld übermittelt werden. Dann kann gemeinsam mit der Person nach möglichen Lösungen gesucht werden.

Arbeitszeiten, die sich am Privatleben orientieren, sind nur eine Möglichkeit, um als Unternehmen Fehlzeiten zu minimieren. ArbeitnehmerInnen sollten insgesamt Spielraum haben, um ihre persönlichen Arbeitsbedingungen festzulegen – sowohl in Bezug auf die Arbeitszeit als auch auf die finanzielle Situation. Individuelle Maßnahmen sollten daher von Unternehmen standardmäßig ermöglicht werden.


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